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Bäerbelendag

Kulturerbe der Minett UNESCO Biosphere

 

Am 4. Dezember wird das Fest der heiligen Barbara gefeiert. Es ist ein Fest, welches eine grosse Bedeutung im Süden Luxemburgs hatte und noch immer hat. Die heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Bergleute und wurden von diesen bis zum Ende des Eisenerzabbaus in unserer Region alljährlich gefeiert. Mit der Schliessung der letzten Minen verschwand diese Tradition allerdings nicht. Bis heute wird der Barbaratage, in traditioneller Form, begangen.

Wer war die heilige Barbara?

Der Legende nach hat die Beschützerin der Bergleute im 3. Jahrhundert nach Christus im Nahen Osten gelebt. Anstatt zu heiraten, wollte die junge Frau ihr Leben Christus widmen. Ihr heidnischer Vater war mit ihrem Bekenntnis zum Christentum nicht einverstanden. Trotz seiner teils grausamen Maßnahmen – so sperrte er sie beispielsweise jahrelang in einem Turm ein – behielt Barbara ihren christlichen Glauben bei. Ihr Vater brachte sie vor Gericht und enthauptete sie schließlich eigenhändig.

Die Bergleute verehren sie als Schutzheilige, da sie sich der Überlieferung zufolge auf der Flucht vor ihrem Vater in einer Felsspalte versteckte. Diese soll sich auf wundersame Weise vor ihr geöffnet haben. Neben den Bergleute ist Barbara aber auch die Schutzpatronin der Dachdecker, Feuerwehrleute, Sprengmeister und Elektriker.

Bäerbelstatue vu Rodange Bäerbelstatue vun der Minn Cockerill Boarbelstatue aus der Gemeng Käl-Téiteng

 

Lebendige Tradition

Mittlerweile sind mehr als 40 Jahre vergangen, seit, mit der Grube Thillenberg, die letzte Mine des Landes fir immer geschlossen wurde. Die Tradition des Barbaratages hat aber in vielen Südgemeinden überdauert. Vielerorts wird an diesem Tag eine Prozession organisiert, bei der eine Statue der Heiligen durch das Dorf getragen wird. Böllerschüsse, sowie ein Gottesdienst und ein Bankett runden die Feierlichkeiten ab.

Der Tag der heiligen Barbara, am 4. Dezember, wird jedes Jahr auch dazu genutzt, das Andenken an die knapp 1500 Jungen und Männer, zwischen 13 und 78 Jahren, wachzuhalten, die in den Eisenerzgruben des Minetts ihr Leben verloren. Ohne die harte und gefährliche Arbeit, der die Bergleute zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und 1981 nachgingen, wäre der Grundstein für den heutigen Reichtum Luxemburgs nicht gelegt worden.

Historischer Kontext des Barbaratags

Historiker Denis Klein, Verwaltungsratmitglied des nationalen Minenmuseums in Rümelingen, fannt bei seinen Nachforschungen erste Artikel über den Brauch in Luxemburger Zeitungen aus den 1890er. Spätestens ab da wurde dieser Tag also in Luxemburg gefeiert.

Es sollte vielerorts aber bis in die zwanziger oder dreissiger Jahre des 20. Jahrhunderts dauern, bevor die Feierlichkeit von den Minenbetreibern organisiert wurden und so zu einem „bezahlten Feiertag“ für die Bergleute wurde. Mancherorts übernahmen die Grubenherren diese Aufgabe erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges, so der Historiker. Feste Bestandteile der Feierlichkeiten waren, von Anfang an, die Prozession, die Böllerschüsse und das Bankett, was nicht selten in einem grossen Fest in den Minen und für die Bergleute endete.

Demnach sei davon auszugehen, dass der 5. Dezember in den allermeisten Bergwerken nicht der produktivste Tag des Jahres war, meint Denis Klein.

Feierlichkeiten im Süden

Pandemiebedingt wurde in den letzten Jahre weniger gefeiert. Die Feierlichkeiten zu Ehren der heiligen Barbara wurden, wenn auch in kleinerem Massstab, in den Gemeinden der Minett UNESCO Biosphere trotzdem weiter begangen.

Dieses Jahr wird fast wieder so gefeiert wie vor der Pandemie. Am Samstag, den 3. Dezember, werden schon Blumen an der Barbarakapelle auf dem früheren Werksgelände der Mine Cockerill in Ellergronn niedergelegt.

Die Prozession zu Ehren der heiligen Barbara in Rodingen findet auch schon am Samstag statt. Start ist um 16.30 Uhr. Anschliessend wird eine Messe in der Kirche zu Rodingen gelesen und die Gemeinde Petingen lädt zu einem Empfang ein.

Am Sonntag, dem 4. Dezember, sind die traditionellen Feierlichkeiten zu Ehren der heiligen Barbara in Beles und in Esch, beim Bergarbeitermonument auf dem Brillplatz. In Düdelingen erinnert die lokale Sektion der Gewerkschaft OGBL, wie jedes Jahr, mit einer Kranzniederlegung auf dem Friedhof an die Grubenarbeiter. Im grösseren Rahmen wird Barbara in Lasauvage gefeiert. Um 18.45 Uhr startet der Umzug, bei dem eine Statue Barbaras vom Pétanquespielfeld zum Eingang der Mine Doihl getragen wird, wo anschliessend die Messe gelesen wird. Der offizielle Empfang findet anschliessend im Inneren der Mine statt.

In Tetingen und Rümelingen wird schon am Sonntagmorgen gefeiert. Um 9.30 Uhr starten die Feierlichkeiten in Rümelingen, wo die Messe traditionell im Bergwerkstollen des Minenmuseums gelesen wird.

Start der Prozession in der Gemeinde Kayl ist um 9.45 Uhr beim Kulturzentrum „Schungfabrik“ in Tetingen. Von dort geht es zum Friedhof, wo am Grab eines Bergmanns Blumnen niedergelegt werden. Anschliessend wird die Messe gefeiert und es gibt einen Empfang in der „Schungfabrik“ in Tetingen.

 

Immaterielles Kulturerbe der Menschheit?

Neben den Weltkulturerbestätten, dem „Memory of the world“-Programm, den Biosphärenreservaten und Geoparks existiert ein spezielles UNESCO-Programm um das immaterielle Kulturerbe des Planeten zu bewahren. Auf dieser UNESCO-Repräsentativliste der Menschheit stehen, aus Luxemburger Sicht, die Echternacher Springprozession (seit 2010) und die Kunst der Haupeschbläser, die 2020 international anerkannt wurde.

Aktuell läuft dir Prozedur um die Tradition des Barbaratages, in der Kategorie der gesellschaftlichen Bräuche, dem nationalen Inventar des immateriellen Kulturerben hinzu zu fügen.

Da die heilige Barbara aber auch in anderen Ländern, wie Polen oder Österreich, eine tief verwurzelte Tradition ist, könnte bald ein internationaler Antrag zur Aufnahme des Barbaratags auf die UNESCO-Repräsentativliste der Menschheit gestellt werden.