Im Herzen der Minett UNESCO Biosphere, zwischen Schifflingen, Kayl und Esch an der Alzette, liegt mit dem Brucherbierg–Lalléngerbierg eine der markantesten Landschaften des ehemaligen Bergbaubeckens. Wo früher Eisenerz im Tagebau gewonnen wurde, erstreckt sich heute über 267 Hektar ein nationales Naturschutzgebiet, in dem Trockenrasen, Felswände und offene Landschaften außergewöhnliche Lebensräume bilden und einen beeindruckenden Blick über die gesamte Region bieten.
Der Brucherbierg–Lalléngerbierg zeigt besonders anschaulich, wie stark die Geschichte des Minett Natur und Landschaft bis heute prägt. Der Bergbau hinterließ eine Landschaft mit roten Böden, Felsflächen, Abbaufronten und industriellen Spuren. Diese besonderen Bedingungen ermöglichten es der Natur, nach und nach sehr spezifische Lebensräume zu entwickeln.
Heute ist dieses ehemalige Tagebaugebiet zugleich Naturschutzgebiet, Kernzone der Minett UNESCO Biosphere und beliebter Naherholungsraum.
Einer der wichtigsten Lebensräume der Heidelerche
Die ausgedehnten offenen Flächen und Trockenrasen am Brucherbierg–Lalléngerbierg sind wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen, die an diese warmen und trockenen Bedingungen angepasst sind.
Die ehemaligen Tagebauflächen sind besonders wichtig für bodenbrütende Vögel. Die Naturverwaltung nennt insbesondere die Heidelerche und den Baumpieper. Heute zählen die früheren Tagebaugebiete des Minett zu den bedeutendsten Rückzugsräumen dieser Arten.
Auch neuere Daten bestätigen dies: Der Bericht 2025 des Natura-2000-Lenkungsausschusses zu den ehemaligen Tagebaugebieten des Minett weist den Lalléngerbierg als wichtigstes Brutgebiet der Heidelerche unter den untersuchten Standorten aus.
Neben Vögeln profitieren auch Orchideen, Schmetterlinge, Wildbienen und Reptilien von den besonderen Bedingungen der ehemaligen Tagebaugebiete. Die Naturverwaltung führt diese Artenvielfalt unter anderem auf die nährstoffarmen Substrate, die Felsflächen sowie das warme und trockene Mikroklima der Standorte zurück.
Wenn die Natur den roten Boden zurückerobert
Nach dem Ende des Eisenerzabbaus setzte am Brucherbierg–Lalléngerbierg eine allmähliche Umwandlung ein.
Auf den ehemaligen Abbauflächen entwickelten sich Trockenrasen. Heute bietet die offene, felsige Landschaft spezialisierten Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum. Die frühere Bergbaulandschaft ist nicht verschwunden, sondern hat eine neue Funktion erhalten.
Gerade diese Überlagerung macht den Standort so typisch für das Minett: Seine Industriegeschichte lässt sich weiterhin an der Form der Landschaft ablesen, während die Natur sie zugleich zurückerobert hat.
Felswände aus Minette-Gestein, offenes Gelände und eine abwechslungsreiche Vegetation begleiten die Besucher durch das Gebiet. Von hier reicht der Blick auch in Richtung des ehemaligen Industriegebiets Esch-Belval.
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© Marc Weis
Eine Landschaft unter aktivem Schutz
Dass diese offene Landschaft heute so reich an biologischer Vielfalt ist, ist jedoch keine Selbstverständlichkeit.
Ohne Pflege würden die charakteristischen Trockenrasen nach und nach von Bäumen und Gebüsch überwuchert. Um diese offenen Lebensräume zu erhalten, werden Flächen in den ehemaligen Tagebaugebieten daher unter anderem entbuscht und gemäht. Auch die Wanderbeweidung mit Minett-Schafen und -Ziegen kommt zum Einsatz.
So bleiben sonnige Felslebensräume und Trockenrasen erhalten, von denen zahlreiche spezialisierte Arten profitieren.
Der Brucherbierg–Lalléngerbierg zeigt damit anschaulich, dass Naturschutz nicht nur bedeutet, die Natur sich selbst zu überlassen. Manchmal müssen Lebensräume auch aktiv gepflegt und wiederhergestellt werden.
Den Brucherbierg–Lalléngerbierg zu Fuß entdecken
Das Gebiet ist besonders interessant, weil sich Natur, Landschaft und Geschichte bei einer Wanderung gemeinsam erleben lassen.
Mehrere markierte Wege führen durch das Naturschutzgebiet oder an ihm entlang. Dazu gehören der Auto-Pédestre Schifflingen sowie die CFL-Wanderwege 25 Kayl–Schifflingen und 25a Esch an der Alzette–Um Réimerwee.
Von Schifflingen aus gibt es weitere Möglichkeiten, die Landschaft zu erkunden. Der Kaweechelcherspad verläuft entlang der nördlichen und westlichen Hänge des Brucherbierg. Der Planetenweg „Saturn“ verbindet eine Wanderung mit Informationen über das Sonnensystem und das Universum.
Für alle, die das Gebiet genauer kennenlernen möchten, werden auch geführte Wanderungen durch das ehemalige Tagebaugebiet angeboten. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Trockenrasen, charakteristische Orchideen- und Vogelarten sowie die erforderlichen Schutzmaßnahmen.
Entdecken, ohne zu stören
Die Attraktivität des Brucherbierg–Lalléngerbierg stellt zugleich eine Herausforderung dar. Die ehemaligen Tagebaugebiete liegen nahe bei den Ortschaften und werden stark von Spaziergängern, Wanderern, Läufern und Radfahrern genutzt.
Um die empfindlichen Lebensräume zu schützen, ist es daher wichtig:
- auf den markierten Wegen zu bleiben;
- Pflanzen nicht zu pflücken oder zu beschädigen;
- Tiere nicht zu fangen oder zu stören;
- die ausgewiesenen Ruhezonen zu respektieren;
- Hunde vom 1. März bis zum 30. September an der Leine zu führen.
Diese Regeln sind besonders wichtig für bodenbrütende Vögel, deren Brutplätze äußerst empfindlich auf Störungen reagieren.
In der Umgebung: die Entdeckung fortsetzen
Ein Besuch des Brucherbierg–Lalléngerbierg lässt sich ideal mit weiteren Zielen in der Umgebung verbinden.
Dumontshaff
Nicht weit entfernt bietet der Dumontshaff eine ganz andere Naturlandschaft. Durch die Renaturierung der Alzette entstand hier ein Feuchtgebiet mit idealen Bedingungen für ein Vogelschutzgebiet. Dies führte zur Ausweisung als Natura-2000-Gebiet und als Naturschutzgebiet. Ein Lehrpfad führt durch das Areal.
Naturschutzzentrum Ellergronn
In Esch an der Alzette ist das Ellergronn ein Ausgangspunkt, um mehr über die Natur, die Schutzgebiete der ehemaligen Tagebaue im Minett und die Geschichte des Bergbaus im Allgemeinen zu erfahren.
Schifflingen entdecken
Rund um Schifflingen besteht ein ganzes Netz von Wanderwegen, darunter der Minett Trail, der Schëfflenger Bierg, „Saturn“, der „Kaweechelcherspad“ und die Lehrpfade am renaturierten Dumontshaff.
Eine Landschaft zwischen Industriegeschichte und Biodiversität
Der Brucherbierg–Lalléngerbierg erzählt eine für das Minett typische Geschichte.
Der Eisenerzabbau formte das Gelände und hinterließ tiefe Spuren in der Landschaft. Nach dem Ende des Abbaus bildeten diese Spuren die Grundlage für neue Lebensräume. Die ehemaligen Gruben, ihre Terrassen, Felswände und nährstoffarmen Böden sind heute Teil einer Landschaft von hohem ökologischem Wert.
Als Kernzone der Minett UNESCO Biosphere macht der Brucherbierg–Lalléngerbierg diesen Zusammenhang besonders sichtbar: eine vom Menschen veränderte Landschaft, die zu einem Rückzugsort für die Natur geworden ist und heute geschützt, gepflegt und zugleich respektvoll erlebt werden kann.
Darin liegt wohl auch die eigentliche Faszination dieses Ortes: Die Industriegeschichte des Minett und die Natur stehen nicht im Gegensatz zueinander. Gemeinsam haben sie eine neue Landschaft geschaffen.








