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Ellergronn: das geheimnisvolle Tal im Herzen der Minett UNESCO Biosphere

 

Stellen Sie sich ein bewaldetes Tal vor, das von Quellen durchzogen wird und von Teichen geprägt ist, die durch den Einsturz ehemaliger Bergwerksstollen entstanden sind. Hier finden sich einige der bemerkenswertesten kalkreichen Buchenwälder Luxemburgs, seltene Fledermäuse, die in aufgegebenen Minen überwintern, sowie ein industrielles Erbe, das die Geschichte der Minette erzählt. Heute bildet diese einzigartige Landschaft eine der sechs Kernzonen der Minett UNESCO Biosphere, eines Gebiets, in dem Naturschutz und Industriegeschichte auf außergewöhnliche Weise zusammentreffen.

Südlich von Esch-sur-Alzette, an der Grenze zu Audun-le-Tiche, erstreckt sich das Naturschutzgebiet Ellergronn über mehr als 110 Hektar. Es wurde 1988 als eines der ersten Naturschutzgebiete Luxemburgs ausgewiesen und ist heute ein wichtiger Bestandteil des Natura-2000-Netzwerks sowie des geschützten Kernbereichs der UNESCO-Biosphäre.

Seinen besonderen Charakter verdankt dieses bewaldete Tal vor allem dem Wasser, das in den ansonsten meist trockenen Kernzonen der Minett UNESCO Biosphere eine Seltenheit darstellt.

Eine Landschaft, die aus der Bergbaugeschichte hervorgegangen ist

Auf den ersten Blick wirkt der Ellergronn wie ein ruhiger Wald. Doch unter den Bäumen verbirgt sich eine bewegte industrielle Vergangenheit.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier Eisenerz in den Gruben Collart und später Cockerill abgebaut. Im Gegensatz zu vielen anderen Standorten des Minett, an denen der Abbau überwiegend im Tagebau erfolgte, musste das Erz hier aufgrund seiner Tiefe größtenteils über unterirdische Stollen gewonnen werden.

Der Bergbau hat das Relief nachhaltig geprägt. Mit der Zeit sackten die verlassenen Stollen ein und hinterließen Senken, Spalten und Mulden, die sich mit Wasser füllten. Auf diese Weise entstand ein Mosaik aus Teichen, Tümpeln und Feuchtgebieten, die heute zu den größten ökologischen Schätzen des Gebiets zählen.

Die Landschaft des Ellergronn erzählt somit zwei miteinander verflochtene Geschichten: die der natürlichen Prozesse, die das Tal über Jahrtausende geformt haben, und die der menschlichen Eingriffe, die das Gebiet nachhaltig veränderten, bevor die Natur es nach und nach zurückeroberte.

Außergewöhnliche Biodiversität im Herzen des Minett

Für seine vergleichsweise geringe Fläche weist der Ellergronn eine bemerkenswerte Vielfalt an Lebensräumen auf.

Besucher entdecken hier seltene Kalkbuchenwälder, Reste von Auenwäldern, Waldtümpel, Feuchtgebiete, artenreiche Waldränder sowie eine Trockenrasenfläche, die sich auf ehemaligen Halden entwickelt hat.

Wasser spielt eine entscheidende Rolle für dieses ökologische Gleichgewicht. Undurchlässige Mergelschichten unterhalb der Dogger-Kalksteine halten Sickerwasser zurück und speisen zahlreiche Quellen, die für die typische Feuchtigkeit des Tals sorgen. Dieser Wasserreichtum fördert die Entwicklung einer besonders vielfältigen Flora und Fauna.

Die ehemaligen Bergwerksstollen dienen mehreren Fledermausarten als Winterquartier, darunter Arten von europäischem Schutzinteresse. In den Teichen leben geschützte Amphibien wie der Kammmolch, während offene Flächen und Waldränder zahlreiche Insekten, Vögel und Schmetterlinge anziehen.

Die Kalkbuchenwälder beherbergen zudem eine spezialisierte Pflanzenwelt, die nur auf besonders kalkreichen Böden vorkommt.

Den Ellergronn zu Fuß entdecken

Die beste Möglichkeit, diese Kernzone kennenzulernen, ist eine Wanderung.

Der wichtigste Naturlehrpfad bildet einen Rundweg von etwa drei Kilometern Länge und führt durch die wichtigsten Lebensräume des Reservats: Wälder, Teiche, Quellen, Trockenrasen und Relikte des Bergbaus.

Wer das Gebiet intensiver erkunden möchte, kann außerdem drei Natura-2000-Rundwege nutzen:

  • Rundweg A: Der Mensch und der Wald (5 km)
  • Rundweg B: Die Nutzung der Eisenerzgebiete gestern und heute (4,5 km)
  • Rundweg C: Die Vegetationsentwicklung auf einem ehemaligen Bergbaugelände (2,5 km)

 

Entlang der Wege erfahren Wanderer, wie ehemalige Bergwerksanlagen, unterirdische Einstürze, Gewässer und Wälder gemeinsam die Geschichte der Landschaftsentwicklung des Minett erzählen.

© Marc Weis

Ein naturnah bewirtschafteter Wald

Der Ellergronn ist zugleich ein anschauliches Beispiel für nachhaltige Forstwirtschaft.

Die Wälder werden nach den Grundsätzen einer naturnahen Waldbewirtschaftung gepflegt. Im Mittelpunkt stehen die natürliche Verjüngung, die Vielfalt der Baumarten und Waldstrukturen sowie der Erhalt ökologisch besonders wertvoller Bäume.

Dieser Ansatz fördert eine hohe Biodiversität und stärkt gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegenüber Klimawandel, Stürmen und Krankheiten.

Einige Bereiche werden sogar weitgehend ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, sodass sich die natürlichen Prozesse des Waldes beobachten lassen.

Was gibt es rund um den Ellergronn zu entdecken?

Ein Besuch dieser Kernzone lässt sich hervorragend mit weiteren Sehenswürdigkeiten in der Umgebung verbinden.

Natureschutzzentrum Ellergronn

Das Naturzentrum befindet sich in den restaurierten Gebäuden der ehemaligen Mine Cockerill und ist der ideale Ausgangspunkt, um die Zusammenhänge zwischen Bergbauerbe, Biodiversität und Naturschutz zu verstehen. Regelmäßig finden hier Ausstellungen, Führungen und pädagogische Aktivitäten statt. Besonders hervorzuheben ist die Ausstellung „Transition Now“, die sich mit den Herausforderungen und Chancen einer nachhaltigen Zukunft auseinandersetzt.  👉 Das Naturschutzzentrum Ellergronn entdecken

Musée de la Mine Cockerill

Das von der Entente Mine Cockerill betriebene Museum vermittelt einen authentischen Einblick in den Alltag der Bergleute. Zu sehen sind historische Werkzeuge, Bergwerksanlagen und die berühmte „Salle des pendus“. Ein unverzichtbarer Ort, um die industrielle Geschichte des Minett zu verstehen. 👉 Die Cockerill Mine entdecken

Restaurant An der Schmëdd

Nach einer Wanderung lädt dieses Restaurant im historischen Herzen des Ellergronn zu einer Pause ein. In unmittelbarer Nähe des Naturzentrums gelegen, bietet es regionale Küche in einem geschichtsträchtigen Ambiente. 👉 Im Restaurant „An der Schmëdd“ essen

Der Minett Trail

Der bekannte Minett Trail durchquert ebenfalls den Ellergronn und verbindet mehrere der eindrucksvollsten Natur- und Kulturlandschaften der Minett UNESCO Biosphere. 👉 Den Minett Trail wandern

Der Galgenberg und sein Tierpark

Nur wenige Minuten entfernt befindet sich der Gaalgebierg mit seinem beliebten Tierpark. Der weitläufige Stadtpark bietet schöne Ausblicke auf die ehemaligen Bergbaulandschaften von Esch-sur-Alzette und eignet sich hervorragend für weitere Naturerkundungen.  👉 Zeit auf dem Galgenberg verbringen
 
© Esch2022 / Emile Hengen

Ein Symbol der Minett UNESCO Biosphere

Der Ellergronn verkörpert die Identität der Minett UNESCO Biosphere in besonderer Weise.

Die industrielle Vergangenheit ist hier nicht verschwunden. Sie bleibt im Relief, in den Gebäuden, den ehemaligen Stollen und den erhaltenen Infrastrukturen sichtbar. Gleichzeitig hat die Natur die einstigen Industriestandorte zurückerobert und in wertvolle Lebensräume verwandelt.

Aus einer ehemaligen Bergbaulandschaft ist ein Refugium für die Biodiversität, ein Ort der Entdeckung und ein herausragendes Beispiel für das Zusammenleben von Kultur- und Naturerbe geworden.

Ein Besuch des Ellergronn verdeutlicht damit eine der Grundideen der UNESCO-Biosphärenreservate: die Natur zu schützen und gleichzeitig die Geschichte, die Landschaften und die Identität der Regionen zu bewahren und aufzuwerten.