Die rund 390 Hektar große Kernzone Kiemerchen / Scheiergronn / Groussebësch steht seit 2019 als nationales Naturschutzgebiet unter Schutz. Sie erstreckt sich über etwa sechs Kilometer von Lasauvage über Oberkorn bis nach Beles und grenzt nahezu auf ihrer gesamten Länge an Frankreich.
Wie die anderen Kernzonen der Minett UNESCO Biosphere ist auch dieses Gebiet stark vom früheren Abbau des Minette-Eisenerzes geprägt. Besonders im Kiemerchen und im Scheiergronn wurde bis in die 1970er-Jahre Eisenerz im Tagebau gewonnen.
Eine vom Tagebau geprägte Landschaft
Der frühere Bergbau hat im Kiemerchen und im Scheiergronn deutliche Spuren hinterlassen. Felswände, Abbruchkanten, ehemalige Abbauflächen und Transportwege erzählen noch heute von einer Zeit, in der die Minette die Landschaft und das Leben der Region bestimmte.
Besonders markant ist die rund drei Kilometer lange asphaltierte LKW-Piste. Früher wurde sie genutzt, um das Eisenerz direkt zu den nahegelegenen Stahlwerken zu transportieren. Heute dient sie als wichtige Verbindung für Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer, die das Naturschutzgebiet durchqueren.
Sie steht beispielhaft für die Entwicklung der gesamten Kernzone: Ehemalige industrielle Infrastruktur hat eine neue Funktion erhalten und ermöglicht es heute, das Natur- und Bergbauerbe des Gebiets zu erleben.
Nach der Einstellung des Tagebaus hat die Natur die ehemaligen Abbauflächen Schritt für Schritt zurückerobert. Auf den offenen Böden siedelten sich zunächst Pionierpflanzen an. Es folgten Grasflächen, Sträucher und schließlich junge Wälder. Heute bilden diese unterschiedlichen Entwicklungsstadien ein Mosaik wertvoller Lebensräume, das für die Biodiversität von besonderer Bedeutung ist.
Der Groussebësch: Waldgebiet im Tal des Rohrbachs
Der Groussebësch ist durch die Straße CR174 und einige landwirtschaftliche Flächen von den übrigen Teilen des Schutzgebiets getrennt. Er liegt bei Lasauvage im Tal der Réierbaach, die auch Crosnière genannt wird.
Dieser Teil der Kernzone besteht überwiegend aus einem großen zusammenhängenden Waldgebiet. Vereinzelt finden sich hier jedoch auch ehemalige Tagebauflächen, die an die Bergbaugeschichte des Standortes erinnern.
Eine dieser Flächen wurde im Oktober 2021 entbuscht. Durch die Wiederöffnung des Geländes sollen geeignete Lebensräume für Eidechsen und seltene Orchideen erhalten beziehungsweise neu geschaffen werden. Da verschiedene Arten auf offene und sonnige Standorte angewiesen sind, ist eine gezielte Pflege notwendig, um das Zuwachsen dieser wertvollen Lebensräume zu verhindern.
Der Groussebësch wird von mehreren Waldwegen erschlossen. Besonders gut lässt sich das Gebiet über den Sentier de la Crosnière entdecken, der dem Verlauf des Rohrbachs durch das Tal von Lasauvage folgt.
Außergewöhnliche Biodiversität im Herzen des Minett
Die Kernzone Kiemerchen / Scheiergronn / Groussebësch zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Lebensräumen aus. Pionierwälder, Trockenrasen, offene Felsflächen, ehemalige Tagebaugebiete, Weiher, temporäre Gewässer und alte Bergwerksstollen bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Zuflucht.
Besonders bemerkenswert ist der Reichtum an Orchideen. Im Frühjahr kann man hier unter anderem die Cungs-Fleischrote Fingerwurz (Dactylorhiza incarnata ssp. cungsii) entdecken, eine seltene Orchidee, die weltweit ausschließlich an diesem Standort vorkommt. Auch die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) bereichert zu dieser Jahreszeit die Landschaft.
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© Marc Weis
Neben den Orchideen wächst hier auch das gesetzlich geschützte Echte Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea). Diese Pflanzen profitieren von den nährstoffarmen, offenen und sonnigen Standorten, die nach dem Ende des Bergbaus entstanden sind.
Die Trockenrasen und die verschiedenen Entwicklungsstufen der Vegetation bieten außerdem zahlreichen Schmetterlingsarten geeignete Lebensräume.
Felswände, Stollen und Weiher als Lebensräume
Die durch den Tagebau entstandenen Geländeformen erfüllen heute eine wichtige ökologische Funktion.
Die sonnigen Felswände und offenen Gesteinsflächen bieten Eidechsen geschützte Rückzugsorte und ideale Bedingungen zur Thermoregulation. Die ehemaligen Bergwerksstollen unter den früheren Abbauflächen werden dagegen von Fledermäusen als Lebensraum genutzt.
Auch die kleinen Wasserflächen des Naturschutzgebietes spielen eine entscheidende Rolle für die Biodiversität. In den Tümpeln und Weihern lebt unter anderem die Kreuzkröte (Epidalea calamita), die auf Luxemburgisch „Onk“ genannt wird. Diese Amphibienart ist in Luxemburg vom Aussterben bedroht.
Das Zusammenspiel trockener, sonniger und feuchter Lebensräume macht die besondere ökologische Qualität dieser Kernzone aus. Auf vergleichsweise engem Raum finden hier Arten mit sehr unterschiedlichen Lebensraumansprüchen geeignete Bedingungen.
Die Kernzone zu Fuß oder mit dem Fahrrad entdecken
Die große Ausdehnung des Gebietes ermöglicht es, die Kernzone über verschiedene Wanderwege und Routen zu erkunden.
Die ehemalige LKW-Piste bietet eine einfache Verbindung quer durch das Naturschutzgebiet. Wo früher Lastwagen Eisenerz transportierten, bewegen sich heute Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer durch die neu entstandene Natur- und Waldlandschaft.
Um den Groussebësch und das Tal des Rohrbachs zu entdecken, empfiehlt sich besonders der Sentier de la Crosnière. Der Weg folgt dem Bachlauf, der das Tal von Lasauvage geformt hat, und führt durch die Wälder dieses Teils der Kernzone.
Weitere Möglichkeiten sind:
- der Auto-Pédestre Differdingen;
- der CFL-Wanderweg 27 zwischen Beles-Zolver und Oberkorn;
- der CFL-Wanderweg 28 zwischen Oberkorn und Niederkorn.
Diese Wege ermöglichen unterschiedliche Perspektiven auf die Kernzone und verbinden die natürlichen Lebensräume mit den noch sichtbaren Spuren des ehemaligen Eisenerzabbaus.
Eine Landschaft, die aktiv gepflegt wird
Die Natur hat weite Teile der ehemaligen Tagebauflächen zurückerobert. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich das gesamte Gebiet völlig ohne menschliches Eingreifen entwickeln sollte.
Viele seltene Pflanzen- und Tierarten sind auf offene, sonnige und nährstoffarme Flächen angewiesen. Würden diese Bereiche mit der Zeit vollständig verbuschen oder bewalden, gingen die Lebensräume verloren, die Orchideen, Eidechsen, Schmetterlinge und andere spezialisierte Arten benötigen.
Die Entbuschung einer ehemaligen Tagebaufläche im Groussebësch im Oktober 2021 ist ein Beispiel für eine gezielte Naturschutzmaßnahme. Sie trägt dazu bei, offene Standorte und ihre charakteristische Biodiversität langfristig zu erhalten.
Die Kernzone ist somit nicht nur eine Landschaft, die von der Natur zurückerobert wurde. Sie ist zugleich ein Gebiet, in dem verschiedene Entwicklungsstadien dieser natürlichen Sukzession bewusst geschützt und gepflegt werden.
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© Yann Logelin / Jan Herr / Marc Weis
Was gibt es in der Umgebung zu entdecken?
Lasauvage
Lasauvage liegt im Tal des Rohrbachs und ist ein idealer Ausgangspunkt, um den Groussebësch und den Sentier de la Crosnière zu erkunden. Der Ort und seine Umgebung sind eng mit der Bergbaugeschichte der Region verbunden.
Das Tal des Rohrbachs
Die Réierbaach, auch Crosnière genannt, hat das Tal von Lasauvage geformt. Der Sentier de la Crosnière folgt dem Wasserlauf und führt durch die ausgedehnten Waldgebiete des Groussebësch.
Differdingen und Oberkorn
Mehrere Wanderwege verbinden die Kernzone mit Differdingen und Oberkorn. Der Auto-Pédestre und die CFL-Wanderwege ermöglichen es, das Naturschutzgebiet von unterschiedlichen Ausgangspunkten aus zu entdecken.
Beles und Zolwer
Im östlichen Teil reicht die Kernzone bis in die Umgebung von Beles und Zolwer mit dem markanten Zeugenberg Zolwerknapp. Auch von dort aus bestehen Verbindungen, die dazu einladen, die Landschaft zu Fuß zu erkunden.
Das jüngste Schutzgebiet der Minett UNESCO Biosphere
Kiemerchen, Scheiergronn und Groussebësch zeigen beispielhaft, wie eng Natur und Bergbaugeschichte im Minett miteinander verbunden sind.
Die ehemaligen Tagebauflächen, Felswände, Bergwerksstollen und Transportwege sind nicht verschwunden. Sie bleiben als sichtbare Bestandteile der Landschaft erhalten und bilden gleichzeitig die Grundlage für neue Lebensräume.
Auf ehemaligen Bergbauflächen wachsen heute seltene Orchideen. Fledermäuse finden in alten Stollen Unterschlupf. Die Felswände bieten Eidechsen geeignete Bedingungen, während Tümpel und Weiher bedrohten Amphibien Lebensraum geben. Die frühere LKW-Piste hat sich zu einem beliebten Weg für Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer entwickelt.
Diese Kernzone verkörpert damit eine der zentralen Ideen der Minett UNESCO Biosphere: die Natur zu schützen, die Industriegeschichte in der Landschaft sichtbar zu halten und den Menschen zu ermöglichen, beides auf respektvolle und nachhaltige Weise zu entdecken.




