Zwischen Stahl, Erinnerung und Solidarität
Die Geschichte des Minett ist nicht nur eine Geschichte von Minen, Hochöfen und Stahl. Sie ist auch eine Geschichte von Menschen: von Schmelzarbeitern, Familien, Arbeitersiedlungen, Solidarität, harter Arbeit — und davon, wie eine ganze Region durch die Industrie geprägt wurde. Für die 50. Episode von Minett Mash-Up sind wir an einem Ort, an dem diese Geschichte bis heute ganz konkret spürbar ist: im Schmelzaarbechter Musée auf dem Gelände der Metzeschmelz.
Unsere „Minett-Location“ des Monats: Schmelzaarbechter Musée, Metzeschmelz
Das Schmelzaarbechter Musée befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Metzeschmelz, einem Industrieareal, das über mehr als ein Jahrhundert hinweg das Leben in Esch, Schifflingen und der gesamten Minettregion mitbestimmt hat. Rund 130 Jahre lang schrieb die Stahlindustrie auf dem 60 Hektar großen Standort Esch-Schifflingen Geschichte; bis zu 2.600 Menschen arbeiteten dort, bevor 2012 sämtliche Aktivitäten eingestellt wurden.
Das Museum erzählt diese Geschichte nicht aus einer distanzierten Perspektive, sondern aus der Sicht der Menschen, die hier gearbeitet und gelebt haben. Es geht um den Alltag in der Schmelz, um Werkzeuge, Arbeitsmaterial, persönliche Gegenstände, Fotos, Dokumente und Erinnerungsstücke, die gemeinsam das Bild einer ganzen Arbeiterkultur zeichnen.
Die Sammlung entstand nicht als großes institutionelles Projekt, sondern aus einer Initiative von Menschen, die mit dieser Welt verbunden waren. Wie Alain Guenther sich erinnert, begann alles mit einem Kaffeekränzchen, bei dem Menschen aus den Arbeitersiedlungen rund um die Schmelz Dinge erwähnten, die sie noch zu Hause hatten: einen Hammer, eine Zange oder andere Gegenstände aus der Schmelz. So entstand nach und nach eine Sammlung.
Im Laufe der Jahre wurde diese Kollektion immer größer. Ehemalige Schmelzarbeiter, ihre Familien und auch die Arbed stellten Gegenstände zur Verfügung oder spendeten sie. Heute werden im Museum Objekte ausgestellt, die an die Arbeit, das Leben und die Zeit vor, während und nach der Industrialisierung erinnern.
Unser Gast: Alain Guenther
Diesmal ist Alain Guenther unser Gast. Er hat selbst auf dem früheren Arbed-Standort Esch-Schifflingen gearbeitet und gehört heute zu den Menschen, die sich dafür einsetzen, dass die Erinnerung an die Schmelzarbeiter nicht verloren geht.
Er kennt die Schmelz nicht nur aus Büchern oder Archiven. Er hat selbst auf dem Arbed-Standort in Esch-Schifflingen gearbeitet. Gerade diese persönliche Verbindung macht seinen Blick auf das Museum und auf die Geschichte der Schmelzarbeiter so wertvoll.
In der Episode sprechen wir mit ihm über seinen eigenen Weg in die Welt der Schmelz, über seinen allerersten Arbeitstag, über das, was ihn in seiner Karriere am meisten geprägt hat, und über seine Zeit als Präsident der Personaldelegation von ArcelorMittal. Dabei geht es nicht nur um technische oder wirtschaftliche Fragen, sondern vor allem um Menschen: um Arbeitsbedingungen, Kollegialität, Konflikte, Verantwortung und Solidarität.
Ein wichtiges Thema ist auch die Frage, ob mit den letzten Generationen ehemaliger Arbeiter auch viele Geschichten und persönliche Erfahrungen verschwinden. Das Museum ist deshalb nicht nur eine Sammlung von Dingen, sondern auch eine Sammlung von Stimmen, Erinnerungen und Erlebnissen.
Diese Episode fragt deshalb auch, was es bedeutet, wenn eine Industrie, die eine Region über Generationen geprägt hat, langsam verschwindet. Ist das nur ein wirtschaftlicher Wandel? Oder auch ein kultureller Bruch? Was geschieht mit einer kollektiven Identität, wenn die Orte, an denen sie entstanden ist, ihre Funktion verlieren?
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© Minett UNESCO Biosphere
Unser Quiz:
Wann begann der Generalstreik von 1942?
- 30. August
- 31. August*
- 9. September
Im Schmelzaarbechter Musée steht ein mit viel Liebe gebautes Modell der Seilbahn, die früher von Öttingen nach Differdingen führte. Wann wurde die originale Seilbahn eingeweiht?
- im September 1898
- im Oktober 1906*
- im Juni 1920
Links zu den Themen dieser Episode:
- Schmelzaarbechter Musée: Hintergrundinformationen zur Geschichte des Hüttenwerks Esch-Schifflingen und des Museums.
- Arbeiterkolonien in Schifflingen: Viertel, in dem die Hüttenarbeiter zu Hause waren, und das heute zur historischen Bausubstanz von Schifflingen gehört.
- Ferro Forum: Verein, der die Erinnerung an die Arbeit und die Techniken aus den luxemburgischen Hüttenwerken lebendig hält und der sich ebenfalls auf dem Gelände der Metzeschmelz befindet.
- OGBL: Luxemburgische Gewerkschaft, in der Alain Guenther aktiv war.
- Generalstreik vun 1942: Am 31. August 1942 streikten Arbeiter in ganz Luxemburg, das damals von Nazideutschland besetzt war. Der Protest richtete sich gegen die verordnete Zwangsrekrutierung luxemburgischer Männer der Jahrgänge 1920-1924.
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