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Léiffrächen: Biodiversität, Erinnerung und Pilgerstätte

Innerhalb der Minett UNESCO Biosphere spielen die Kernzonen eine besondere Rolle. Sie schützen die wertvollsten Naturräume unserer Region und zeigen, wie die Natur ehemalige Industrielandschaften zurückerobern kann. Die Léiffrächen, die sich über die Gemeinden Kayl und Rumelange erstreckt, ist eine dieser bemerkenswerten Kernzonen. Hier treffen seltene Lebensräume, eine beeindruckende Bergbaugeschichte und einer der bekanntesten Wallfahrtsorte im Süden Luxemburgs aufeinander.

Eine junge Kernzone voller Geschichte

Mit rund 307 Hektar ist das Naturschutzgebiet Léiffrächen eine der größten Kernzonen der Minett UNESCO Biosphere. Obwohl es erst 2019 offiziell als nationales Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde, reicht seine Geschichte viel weiter zurück. Über mehr als ein Jahrhundert hinweg wurde hier Minetterz im Tagebau abgebaut, wodurch große Teile der Landschaft vom Bergbau geprägt wurden. Heute hat sich dieses ehemalige Industriegebiet zu einem der wertvollsten Naturräume im Süden Luxemburgs entwickelt.

Mehr als drei Viertel des Gebiets sind bewaldet. Neben naturnahen Buchenwäldern finden sich hier ausgedehnte Pionierwälder, die sich nach dem Ende des Bergbaus spontan entwickelt haben. Diese Mischung aus offenen Flächen, Wäldern, Weihern und ehemaligen Abbaukanten macht die Léiffrächen zu einem idealen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

   

Vom Tagebau zum Refugium für seltene Arten

Wo früher Bagger arbeiteten und Züge Eisenerz transportierten, findet man heute eine überraschend hohe Biodiversität. Die Trockenrasen, die durch gezielte Naturschutzmaßnahmen und die Beweidung durch die Schafe des Minetter Wanderschof erhalten werden, bieten wertvolle Lebensräume für viele spezialisierte Arten.

Zu den bekanntesten Bewohnern des Gebiets zählen:

  • Neun nachgewiesene Fledermausarten, darunter das Große Mausohr (Myotis myotis), die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) und die Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum).
  • Der seltene Kammmolch, der in den Weihern und Tümpeln des Gebiets vorkommt.
  • Seltene Schmetterlinge wie der Thymian-Ameisenbläuling (Phengaris arion), der Habichtskrautspinner (Lemonia dumi) und der Ockerbindige Samtfalter (Hipparchia semele).
  • Vogelarten wie der Schwarzmilan, der Schwarzspecht und die Heidelerche.

 

Die Léiffrächen zeigt eindrucksvoll, wie sich eine ehemalige Industrielandschaft in ein biologisch reiches Naturschutzgebiet verwandeln kann.

Die Léiffrächen: Ein Ort des Glaubens und der Erinnerung

Neben ihrem ökologischen Wert besitzt die Léiffrächen auch eine außergewöhnliche kulturelle und symbolische Bedeutung. Ihr Name geht auf eine Marienstatue zurück, die der lokalen Überlieferung zufolge im Jahr 1753 von einem Schmied namens Peping in einem hohlen Baumstamm gefunden wurde. Aus dieser Entdeckung entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein bedeutender Wallfahrtsort, der bis heute zahlreiche Besucher anzieht.

Direkt gegenüber der Wallfahrtsstätte befindet sich das Monument National des Mineurs. Dieses nationale Denkmal erinnert an mehr als 1.400 Bergarbeiter, die bei ihrer Arbeit in Luxemburger Gruben und Minen ihr Leben verloren haben. Der imposante Stahlturm und die Gedenkstätte mit den Namen der Verstorbenen machen diesen Ort zu einer der wichtigsten Erinnerungsstätten der Industriegeschichte Luxemburgs.

© Yann Logelin / Marc Weis

Natur entdecken und respektieren

Heute ist die Léiffrächen ein beliebter Ort für Freizeit und Erholung. Mehrere Wander-, Rad- und Mountainbikewege führen durch das Naturschutzgebiet und ermöglichen es, die Landschaft aktiv zu entdecken. Dabei ist es wichtig, auf den markierten Wegen zu bleiben und die empfindlichen Lebensräume zu respektieren, um die Tierwelt nicht zu stören.

In der Umgebung: Die Geschichte des Minett weiter entdecken

Ein Besuch der Léiffrächen lässt sich ideal mit weiteren bedeutenden Orten in der Region verbinden.

Musée FERRUM

Das Musée FERRUM in Tetingen erzählt die Geschichte der Gemeinde Kayl-Tetingen von der Vorgeschichte bis in die Gegenwart. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Stahlindustrie, der Bergbau, die Arbeiterkultur sowie die Unternehmen, die im Umfeld der Minett-Industrie entstanden sind. Auch die Geschichte des Monument National des Mineurs in der Léiffrächen wird hier thematisiert.

Schungfabrik

Die ehemalige Schungfabrik von Tetingen ist heute ein bedeutendes Kulturzentrum. Das Gebäude erinnert an eine Zeit, in der hier Arbeitsschuhe für Bergarbeiter hergestellt wurden, und dient heute als Veranstaltungsort für Konzerte, Ausstellungen und kulturelle Aktivitäten.

Historische Spuren in Kayl und Tetingen

Die Gemeinde Kayl-Tetingen bietet zahlreiche weitere Orte, die mit der Geschichte des Bergbaus und der Entwicklung der Region verbunden sind. Von der Wallfahrtsstätte in der Léiffrächen über das industrielle Erbe bis hin zur Arbeitergeschichte finden sich hier viele Zeugnisse der Vergangenheit.

Nationales Bergbaumuseum Rumelange

Im Musée National des Mines können Besucher in die Welt des Bergbaus eintauchen. Mit einer Grubenbahn geht es durch die ehemaligen unterirdischen Stollen, wo die Geschichte des Minett und die Arbeitsbedingungen der Bergarbeiter auf authentische Weise erlebbar werden.

Monument National des Mineurs

Nur wenige Schritte von der Kernzone entfernt befindet sich dieses einzigartige Denkmal, das Monument National des Mineurs, das seit 1978 den Status eines nationalen Bergarbeiterdenkmals besitzt. Die Anlage verbindet Erinnerungskultur, Industriegeschichte und Landschaft auf eindrucksvolle Weise.

 
 
© PRO-SUD / Yann Logelin

Eine Kernzone, die Natur und Erinnerung verbindet

Die Léiffrächen ist weit mehr als ein Naturschutzgebiet. Sie ist zugleich ein Refugium für seltene Arten, ein Zeugnis der Bergbaugeschichte, ein Ort des spirituellen Erbes und einer der bedeutendsten Erinnerungsorte Luxemburgs.

Als Kernzone der Minett UNESCO Biosphere zeigt sie beispielhaft, wie Natur, Geschichte und Mensch einander beeinflussen und gemeinsam eine Landschaft formen, die es wert ist, entdeckt und geschützt zu werden.