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Rocklines

Rocklines. A journey through Minett, the sea of red rocks.

 

 

In diesem Sommer haben der italienische Autor Davide Sapienza und der luxemburgische Wissenschaftler Robert Weis die UNESCO-Biosphäre aus einem neuen Blickwinkel erkundet und sich ihr durch ein geopoetisches Projekt genähert. E Resumé vun der Entdeckungsrees vum Robert Weis kënnt dir hei gesinn.

 

(c) Robert Weis – 2021


Definition der Geopoetik

 

Foto: Atelier atlantique de Kenneth White à Trébeurden, 2014 Laurent Brunet — Travail personnel / Revue Lisières, Licence: CC BY-SA 4.0, Source: wikipedia.org

„Was ist Geopoetik? Das Projekt der Geopoetik ist nicht nur eine weitere kulturelle „Spielart“, es ist auch keine literarische Schule, und es ist auch keine Poesie als eine intime Kunst. Es ist eine große Bewegung, die die Grundlagen der Existenz des Menschen auf der Erde betrifft (…). Die Verbindungen der Geopoetik mit der Geografie sind offensichtlich, aber sie bestehen auch mit der Geologie, der Biologie und mit der Ökologie (einschließlich der Ökologie des Geistes), die gut entwickelt ist. In der Tat bietet die Geopoetik einen Treffpunkt und eine gegenseitige Befruchtung nicht nur – und das ist immer notwendiger – zwischen Dichtung, Denken und Wissenschaft, sondern zwischen den verschiedensten Disziplinen (…), indem sie die grundlegende Frage stellt: Was ist mit dem Leben auf der Erde, was mit der Welt?“ Kenneth White.

 

Eine geopoetische Erzählung für das Land der roten Felsen

 

Das Minett, wie wir es kennen, ist das Land der roten Felsen. Seine Geografie ist die eines Landes, in dem die Farbe Rot dominiert. Die Farbe des Eisenerzes ist allgegenwärtig und durchdringt die Landschaft dieser Region im Süden Luxemburgs. In der Vorstellung der Menschen steht das Minett seit jeher für „Bergbauaktivitäten“, die die nationale und internationale industrielle „Stahllandschaft“ des 20. Jahrhunderts geprägt haben. Aber das Minett ist, wie alle Geografien, von einem Geist des Ortes, dem „Genius Loci“ der Lateiner, bewohnt, der nie verschwunden ist.

Von den Jurameeren bis zu den Mondlandschaften, die der Bergbau hinterlassen hat, scheint die intime Geografie vom Minett weitgehend unerforscht zu sein.

 

Photo de Wolfgang Eckert sur pixabay.com

Die Geologie ist der verborgene Teil der Geografie, aber die Geografie ist die wahrhaftigste Wissenschaft von allen: Wir schauen auf eine Landschaft, die Geografie sagt uns alles im Detail. Es ist unsere Aufgabe, sie zu interpretieren und sie dann in Sprache, menschliches Handeln und Praxis zu übersetzen. Und die Praxis, die die europäische Geografie heute braucht, muss eine kreative Praxis sein: wenig Theorie, viel Praxis.

Vor 180 Millionen Jahren begann alles in einem nicht allzu tiefen Meer, an den Ufern einer großen Insel, in einem Delta, das den Flutwellen und einem tropischen Klima ausgesetzt war.

Heute sind die Überreste dieser jurassischen Welt hier aufgetaucht, in der südlichsten Region Luxemburgs, am Rande des Pariser Beckens, an der Grenze zwischen Luxemburg und Frankreich. Eisen, das zu Stahl wurde, veränderte diese Landschaft und die Geschichte der Menschen hier im Herzen Europas. Heute sind diese Überreste die Geschichte der Landschaft – die neue alte Landschaft, die die Menschen inspiriert hat, sich ihr Leben vorzustellen. Wie stellen wir uns unser Leben in dieser neuen Landschaft vor – geografisch und menschlich?

Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden. Wir sollten wieder anfangen zu gehen, zu erforschen, wie wir gerade an den neuen Ufern dieses uralten Beckens gelandet sind: Vorstellen, einen Blick auf den poetischen Funken erhaschen, der aus der Leere entspringt, die diese industrielle Vergangenheit hinterlassen hat, und anfangen, ein neues Buch zu schreiben: Minett, Land der roten Felsen.

 

Biographie der Autoren

 

DAVIDE SAPIENZA (Italien)


Seit 1984 in der Verlagswelt tätig, widmete sich sein „erstes Leben“ der Musik, der Übersetzung klassischer Autoren, dem Journalismus, dem Radio und nationalen Fernsehprogrammen. In diesen Jahren arbeitete er auch intensiv mit indianischen Dichtern wie Lance Henson und John Trudell zusammen, die ihm halfen, eine poetische Vision in Bezug auf Mutter Erde zu entwickeln.

 

(c) Renato Zanotti

 

Ab 1998 widmete er sich dem Reisen und Erforschen und prägte dabei natürlich auch seinen besonderen Stil. In die Öffentlichkeit trat er dann 2004 mit seinem Reisebericht, dem hochgelobten „I Diari di Rubha Hunish“ (das im selben Jahr mit dem Bruce Chatwin Prize ausgezeichnet wurde). Dieses Buch, das zu einem einflussreichen Kulttext für viele neue Autoren geworden ist, bildete den Auftakt zu einem literarischen Zyklus, der 2019 mit „Il Geopoeta. Avventure Nelle Terre Della Percezione“ endete.

 

2008 schrieb er zusammen mit dem Regisseur Enrico Verra den bahnbrechenden und zum Nachdenken anregenden Dokumentarfilm über den Ersten Weltkrieg, „Scemi di Guerra (Die Narren des Krieges)“. 2014 schloss er zusammen mit dem Geographen, Forscher und Autor Franco Michieli eine dreijährige Feldforschung für ERSAF (Regionales Institut für Wälder und Landwirtschaft der Lombardei) ab, eine lange Wanderstudie durch die Zentralalpen von Valcamonica, bei der er nach der Erkundung von mehr als 1.000 km Pfaden, alten und verlorenen Straßen, einen 70 km langen Weg schuf, der die Bergbauernhöfe dieser Region verbindet. Die „Via Dei Silter“ (so der Name des Weges und des geopoetischen Führers), wurde zu einem der besten neuen Wege Italiens gewählt und in das Buch „Cammina Italia“ (ebenfalls von IlSole24Ore vertrieben) im Jahr 2020 aufgenommen. Davide arbeitet für die Bergamo-Ausgabe des Corriere della Sera. Derzeit arbeitet er außerdem an einem Projekt für Bodo2024, Kulturhauptstadt Europas.

 

ROBERT WEIS (Luxembourg)

Ursprünglich aus der Region Minett stammend, entwickelte Robert schon in jungen Jahren eine Leidenschaft für Fossilien und lokale Gesteine. Als ehemaliger Gewinner des Wettbewerbs „Junge Wissenschaftler“ arbeitet er seit 2002 am Nationalmuseum für Naturgeschichte in Luxemburg als Leiter der paläontologischen Sammlungen und Forscher, der sich auf marine Wirbellose aus dem Jura spezialisiert hat. 

 

(c) Pro-Sud/Yann Logelin

Er ist Autor von etwa dreißig wissenschaftlichen Publikationen zur Taxonomie und Paläogeographie fossiler Cephalopoden. In jüngerer Zeit sind die Förderung und der Schutz des geologischen Erbes zu einer seiner Prioritäten geworden. Er organisiert regelmäßig Exkursionen, um der Öffentlichkeit die Landschaft näher zu bringen und die Seiten des Buches der Erde zu interpretieren. Neben seinem beruflichen Engagement fühlte sich Robert Weis schon immer zu verschiedenen Formen des künstlerischen Ausdrucks hingezogen. Mit dem Verein „Panoplie“ organisierte er zwischen 2005 und 2010 etwa fünfzig Konzerte in Luxemburg und der Großregion. Er ist außerdem Gründer des unabhängigen Labels „Pocket Heaven Records“ und war viele Jahre lang Co-Moderator der Sendung „Sentier Sonori“ auf Radio Ara.


Zusammen mit dem italienischen Autor Davide S. Sapienza organisierte und leitete er geopoetische und literarische Wanderungen im Müllerthal und in Luxemburg-Stadt. Seine Vorliebe für Reisen und Entdeckungen führte ihn mehrmals nach Japan, Reisen, deren Notizbücher regelmäßig auf dem Blog theroutetokyoto.com veröffentlicht werden.

 

Warum dieses Projekt?

 

Die Minett UNESCO Biosphere möchte mit diesem Projekt die Bewohner der Region in interdisziplinäre Erlebnisse einbinden, um jeden in die Erhaltung des natürlichen, industriellen und kulturellen Erbes einzubeziehen. Das Projekt ist Teil der Aktivierungsstrategie des Minett-Trails, der für Esch2022 – Kulturhauptstadt Europas – realisiert und in Betrieb genommen werden soll.

 

Die Autoren werden den Minett in einer Karawane durchqueren, die an verschiedenen Orten in der Minett UNESCO Biosphere Station machen wird, um sich mit Bürgern, gewählten Vertretern, Partnern der MUB und jungen Menschen zu beraten. Die Themen werden Geografie, Geologie und Poesie sein. Die Karawane wird Spaziergänge, Aperitifs, Besuche an ungewöhnlichen Orten und ein Zeltlager beinhalten.

 

Ein interaktives Reisetagebuch

 

Im Anschluss an die Reise im Juli 2021 wird gemeinsam mit dem Publikum Material (Texte, Fotos, Zeichnungen usw.) gesammelt und anschließend von Davide Sapienza und Robert Weis zusammengestellt. Ein Reisetagebuch des Minetts wird veröffentlicht und zum Verkauf angeboten, um die Erfahrungen der beiden Autoren mit der Öffentlichkeit zu teilen.

 

Öffentliche Veranstaltungen

 

Während des gesamten Projekts „Rocklines. A journey through Minett, the sea of red rocks“ gab es öffentliche Veranstaltungen geben, um sich mit dem Konzept der Geopoetik vertraut zu machen und Davide Sapienza und Robert Weis zu treffen, die ihre Sichtweisen und Perspektiven auf das Minett vorstellten.

 

Mittwoch, 14. Juli (13:30-17:00) – Konferenz und Vagabondage in Belval

13:30-14:30

Konferenz: Geography in (e)motion

(c) Pro-Sud/Hana Prosser

In dieser Konferenz haben Dr. Estelle Evrard und Dr. Lise Landrin, Forscherinnen im Fachbereich Geografie an der Universität Luxemburg, die den Begriff der emotionalen Geografie mit ihrem aktuellen Projekt untersuchen: REMIX PLACE „Pathways to participation: connecting diverse communities through place“, ihr Projekt vorgestellt. Dieses interdisziplinäre Projekt soll im Rahmen des Esch2022-Programms starten. Es wird die emotionale und physische Bindung der Menschen an Orte erforschen.

Der selbsternannte Geopoet, Davide Sapienza, hat im ersten Teil des Seminars seine Ansichten zur Geopoetik erläutert, indem er erklärte, wie er seine natürliche Umgebung erforscht und sich von seinen Sinnen in seiner künstlerischen Autorenschaft leiten lässt. In seinem Vortrag ging er auf das Konzept der Geopoetik ein und darauf, was es in Bezug auf die emotionale Verbindung der Menschen mit ihrer intimen Geografie zu bieten hat.

 

 

Das Video der Konferenz ist hier verfügbar.

 


(c) Pro-Sud/Isabelle Renoir

 

14:45-16.00

Vagabondage in Belval

 

Davide Sapienza hat in Begleitung von Thomas Cauvin (Public History Associate Professor, Luxembourg Centre for Contemporary and Digital History (C²DH)) einen geopoetisch angehauchten Spaziergang durch die Universität von Luxemburg geleitet, der leider dem schlechten Wetter trotzen musste. Cauvin entwickelt eine Partnerschaft mit der Nuit de la Culture in Esch-sur-Alzette für partizipatorische Geschichtsprojekte, die im Jahr 2022 beginnen.

 

Bilder des Vagabondages sehen sie hier.

 

Sonntag, 18. Juli (11:00-13:00) – Hike & Bite 

 

Die Stadtverwaltung von Schifflingen lud zu einem geopoetischen Brunch im Naturschutzgebiet Lallengerbierg-Brucherbierg ein. Der Start war in der Nähe des Leichtathletikstadions sein. Eine geopoetische Wanderung mit Davide Sapienza und Robert Weis führte die Teilnehmer in die Natur eines der Kerngebiete der Minett UNESCO Biosphere Minett und wurde von einem Brunch mit regionalen Produkten abgeschlossen.

 

Impressionen der Wanderung in Schifflingen.

 

Geopoetic Camp (23.-25.07.)

 

Vom 23. bis 25. Juli fand in Lasauvage ein geopoetisches Camp statt. Während dieser drei Tage haben Davide Sapienza und Robert Weis den Teilnehmern die verborgenen natürlichen und geographischen Schätze des Fonds-de-Gras und des „Giele Botter“ sowie das reiche Naturerbe des Tals der „Wilden Hexe“ vorgestellt.




 

Dienstag, 27. Juli (19:30-22:00) – Sonnenuntergang bei der Léiffrächen

 

Ab 19:30 Uhr führten Davide Sapienza und Robert Weis eine Gruppe von Interessierten durch das Naturschutzgebiet „Léiffrächen“ in Kayl.

Im Anschluss an die ca. 90-minütige geopoetische Wanderung fand eine Diskussion über die, beim Sonnenuntergang, gesammelten Eindrücke in der beeindruckenden Natur der Minett UNESCO Biosphere statt.

 

Bilder des Sunsetwalks.