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Weniger Licht – mehr Artenvielfalt

Image courtesy of DMSP & NASA

Das Phänomen der Lichtverschmutzung ist ein hochaktuelles Thema, da es uns jede Nacht betrifft. Gleichzeitig ist es eine Verschmutzung unserer Umwelt, die weitestgehend unbemerkt bleibt. Der Vorteil dieser Verschmutzung ist die Tatsache, dass man schnell etwas dagegen tun kann. Das Ausschalten der Beleuchtung reicht aus, um die Lichtverschmutzung verschwinden zu lassen.

Künstliche Beleuchtung in der Nacht ist eine sehr junge Erscheinung in der Geschichte unseres Planeten. Erste Beleuchtungen entwickelten sich ab dem 17. Jahrhundert mit öl- und gasbetriebenen Straßenlaternen. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts nahm das Phänomen mit der Installation von Straßenbeleuchtungen durch die großflächige Verteilung von Elektrizität richtig zu.

Definition und Folgen

Lichtverschmutzung wird definiert als „die Veränderung des natürlichen Lichtniveaus in nächtlichen Landschaften durch künstliche Beleuchtungsquellen“.

Sie wirkt sich auf zahlreiche Aspekte der Umwelt aus. So erschwert sie nicht nur die Beobachtung der Sterne durch zu starke, schlecht konzipierte, falsch ausgerichtete und/oder unvernünftig genutzte private oder öffentliche Außenbeleuchtungen, sondern wirkt sich auch auf den Teil der nächtlichen Biodiversität aus.

Arten, die an nächtliche Bedingungen angepasst sind, erleben daher in Umgebungen, die im Laufe der Nacht beleuchtet werden, eine tiefgreifende Veränderung ihrer Umwelt. Die Folgen sind vielfältig. Von der Blendung von Vögeln, die das Risiko von Kollisionen mit Autos erhöht, bis hin zum Verlust von Jagd- und Fortpflanzungsgebieten, etwa für Fledermäuse oder Amphibien.

Für lichtliebende Arten, was bei vielen Insekten der Fall ist, erhöht sich das Sterberisiko ganz erheblich. Die Insekten umkreisen die Lichtquelle, manchmal bis zur Erschöpfung, weil sie durch die hohe Temperatur der Lampen gegrillt werden, oder bis sie Raubtieren wie bestimmten Amphibien, Fledermäusen oder sogar Spinnen zum Opfer fallen, die ihre Netze unter den Straßenlampen spinnen.

Die nächtliche Beleuchtung kann sich auch auf die menschliche Gesundheit auswirken, indem sie eine Verschiebung der Schlafphasen oder Einschlafschwierigkeiten verursacht. Langfristig kann diese Störung der biologischen Uhr zu zahlreichen medizinischen Störungen wie Depressionen, Schlaflosigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Krebs führen.

Die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt sind sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene zu beobachten. Lichtverschmutzung kann den Lebensraum bestimmter Arten einschränken, indem sie Korridore, die verschiedene Bereiche des Lebensraums miteinander verbinden, unterbricht. Ein Ergebnis davon kann ein Verlust an genetischer Vielfalt und an Tieren sein. Im Laufe der Zeit können Kaskadeneffekte zu nicht umkehrbaren ökosystemaren Ungleichgewichten führen.

Foto: Luca Dross (pexels.com)

Weniger beleuchten, um die Biodiversität zu erhalten

Mit dem Aufkommen der LED-Technologie hat die künstliche Beleuchtung in der Nacht nicht nur weiter zugenommen, sondern die Qualität des Lichts, das von vielen LED-Straßenlampen verwendet wird, ist schädlicher als die der alten Straßenlampen im Freien. Das von vielen LEDs ausgestrahlte Licht weist einen höheren Anteil an blauem Licht auf, ein charakteristisches Spektrum des Sonnenlichts, das von Organismen mit Tageslicht in Verbindung gebracht wird.

Um die Lichtverschmutzung zu bekämpfen, muss unnötige Beleuchtung bekämpft werden, und zwar vorrangig an den für die biologische Vielfalt empfindlichsten Stellen. Es geht nicht darum, alle Beleuchtungen abzuschaffen, sondern vielmehr darum, sie zu überdenken.

Durch die Einhaltung der folgenden fünf Prinzipien ist eine Reduzierung der öffentlichen und privaten Lichtverschmutzung möglich.

  • Nur beleuchten, was nötig ist
  • Nur beleuchten, wenn es notwendig ist.
  • Struktur und Ausrichtung der Beleuchtungsvorrichtungen anpassen.
  • Verwendung des richtigen Lichtspektrums
  • Auf die Intensität der installierten Beleuchtungen achten.

 

Weitere Informationen zum Thema:

Es gibt eine große Anzahl an Ratschlägen für die nächtliche Beleuchtung. Die 2018 veröffentlichte Broschüre „Leitfaden „gutes Licht“ im Außenraum für das Großherzogtum Luxemburg“ fasst die Empfehlungen, die bei der Installation oder dem Austausch von nächtlicher Außenbeleuchtung beachtet werden sollten, umfassend zusammen.

Die Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf die Biodiversität wurden von der Naturverwaltung (ANF) in einer umfassenden Broschüre zusammengefasst, die 2021 erschienen ist und als PDF verfügbar ist.

Interview mit Lichtberater Daniel Gliedner

Website „Night, Light & More“ vom Naturpark Our

Artikel über die Vorstellung des Leitfaden „Gutes Licht“ auf emwelt.lu